Infos
Der Aufstieg erfolgt ab Habachtal-Prakplatz auf einer Almstraße ca. 5 Stunden zu Fuß. Bis zum Gsthof "Alpenrose" gibt es auch einen Taxibus-Zubringerdienst ins Habachtal (004365667451). Vom Gasthof Alpenrose sind es dann noch ca. 3 Stunden bis zur Thüringer Hütte.
Wandermöglichkeiten:
Hohe Fürlegg, 3324 m (5 Stunden)
Kratzenberg, 3023 m (3,5 Stunden)
Larmkogel, 3022 m (2 Stunden)
Plattiger Habach, 3214 m (3 Stunden)
Roßlahnerkopf, 2859 m (2 Stunden)
Schwarzkopf, 2997 m
Karten:
Freytag&Berndt KArte WK 121, 1 : 50 0000
Alpenvereinskarte 36, 1 : 25 000
Alpenvereinskarte 34/2, 1 : 50 000
Östereichische Karte 152, 1 : 50 0000
Internetseite der Hütte:
www.nth-huette.de
Bilder von der Tour


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Der Morgen im Matratzenlager wollte gar nicht so richtig hell werden. Vom Dachfenster der Thüringer Hütte strahlte nur trübes Licht hinein und kalt war es obendrein. Ein Blick aus dem Fenster klärte auf: Es hatte frisch geschneit. Vor der Tür merkte man schnell, dass es nicht nur Schnee war, sondern Frost und ein zünftiger Schneesturm kamen hinzu. Die matschige Alpenwelt hatte sich in eine kalte weiße Schönheit verwandelt. Erst nachdem die Hüttenwirtin Inge Gruber und ihr Lebensgefährte uns alle mit Handschuhen versorgt wussten - die Thüringer Hütte liegt immerhin 2.240 Meter hoch - ließen sie uns den Heimweg durch Schnee und Eis antreten.
Aufgestiegen waren wir ebenfalls im Schnee, d.h. während unten alles noch septemberlich grün war, nahm mit zunehmender Höhe auch die Schneematsche zu. Da blieb kein Stiefel trocken und im Heizungskeller stieg zusehends der Berg an feuchten Papierknäueln, mit denen die Bergschuhe ausgestopft wurden. Erst recht nach unserem abgebrochenen Versuch, am nächsten Tag die Larmkogelscharte zu ersteigen.
Denn der Schnee war auch über Nacht zum Sonnabend nicht verschwunden. Dafür regnete es hin und wieder. Erst in der Höhe von etwa 2.450 Metern wurde der Schnee fester und die Schneewehen tiefer, so dass Frank Baumann, der mannhaft spurte, immer wieder mal bis zu den Hüften einbrach. Nach 2 Stunden waren etwa 2.600 Meter erreicht, das Spuren immer schwieriger, die Markierungen kaum noch zu finden, und es fing an zu schneien. Ein Grund umzukehren. Drei Unentwegte stiegen noch weiter, aber auch sie gaben auf. Blieb nur noch, der alten Thüringer Hütte wieder mal einen Besuch abzustatten.
Dieses Mal war, im Gegensatz zum Vorjahr, die Sicht besser und es fiel auf, an welch einem schönen romantischen Platz die alte Thüringer Hütte einst stand. Wild zerklüftetes Gebirg' im Rücken, ein weiter Blick ins Habachtal, der Gletscher gleich nebenan - vor Jahrzehnten reichte sogar eine Zunge bis an die Haustür. Nachdem die alte Hütte durch zwei Staublawinen 1968/69 völlig zerstört worden war, errichtete der damalige Besitzer, die Sektion Oberkochen, die neue Hütte lawinensicher (!) mehrere hundert Meter entfernt auf einem Bergrücken oberhalb des Habachtales - inzwischen hat es auch dort eine Lawine in unmittelbarer Nähe gegeben. Der große schlichte Bau der 1974 eingeweihten Neuen Thüringer Hütte symbolisiert nun die praktische Nüchternheit der 70er Jahre mit Eternit- bzw. Asbestschiefern außen, (inzwischen entfernter) Sprelakartvertäfelung im Innern, und der Blick ins Habachtal ist auch nicht mehr ganz so romantisch.
Trotz des schlechten Wetters und der einge-schränkten Wandermöglichkeiten machte es uns die Hüttenwirtin so angenehm wie mög-lich. Das Essen beispielsweise war köstlich. Hervorzuheben wären z.B. "Fregattensuppen" oder Kaspressknödel. Auch dem Jagertee wurde gern zugesprochen. Nur bei letzterem neigt man leider dazu, schon nach dem ersten Topf die Erdhaftung zu verlieren und in eine andere Dimension zu entschweben. Wem diese Spezialitäten unbekannt sind, dem sei ein Auf-stieg zur Neuen Thüringer Hütte wärmstens ans Herz gelegt.
An diesem zweiten Tag lud die Wirtin zum Hüttenabend ein. Dieses Mal kam Andi, ein jüngerer und ruhigerer Ziehharmonikaspieler als im Vorjahr, der auch nichts dagegen hatte, dass der Abend in punkto Stimmung eine Eigendynamik bekam und er nur die musikalische Untermalung dazu liefern musste. Andi war es auch, der Punkt eins seine Harmonika einpackte und ins Matratzenlager verschwand und uns damit erinnerte, dass die Nacht schon um 6 Uhr ihr Ende hat.
Um 8 Uhr morgens führte Andi den ersten Trupp zum Abstieg. Denn er kannte den Normalweg auch ohne Markierungen, die im Schneesturm schon längst verschwunden waren. 10 Minuten später folgte der zweite Trupp. Die Spuren des ersten Trupps waren trotzdem in den Schneewehen kaum noch zu finden. Der kürzere aber steilere Noitroisteig empfahl sich der Vereisung wegen nicht so sehr. Einen weiteren Vorteil offenbarte der Normalweg, nachdem wir die Schneesturm-zone hinter uns gelassen hatten: wunderschöne Aussichten nach unten auf das Tal mit seinen Blumenwiesen bei ruhigem sonnigen Frühherbstwetter - und nach oben auf das Schneegestöber am Habachkees.
Am Gasthof "Alpenrose" wurden die ausge-liehenen Handschuhe abgegeben und die deponierten Regenschirme wieder abgeholt. Auch der Bus wartete schon. Ein Teil der Truppe sparte sich das Busgeld und marschierte weiter durchs Habachtal und wurde, außer mit weiteren schönen Ausblicken auf die Bergwelt, mit dem Bewusstsein belohnt, innerhalb von 4 Stunden nicht nur 1.000, sondern über 1.500 Höhenmeter bewältigt zu haben. (Im Führer werden 6 Stun-den angegeben und der Aufstieg hatte etwa 5 Stunden gedauert.) Einer der Härtesten wollte es auch noch einmal wissen, denn er merkte nach zwei Dritteln des Abstiegs über den Noitroisteig, dass er sein T-Shirt in der Hütte vergessen hatte. Also ist er wieder aufge-stiegen, das T-Shirt war noch da. Nach einem Geschwindmarsch schaffte er sogar den Bus ins Tal noch.
Die Rückfahrt verlief bei einem mitgeschnit-tenen Interview mit der Hüttenwirtin der Thüringer Hütte ruhig und schläfrig. Als Fazit bleibt, dass es sich durchaus lohnt auch im nächsten Jahr wieder zur Neuen Thüringer Hütte aufzusteigen, auch wenn man bisher kein Glück mit dem Wetter hatte. Nicht nur die Alpenwanderung und schönen Aussichten sind die Reise wert, sondern auch die geruhsame Anfahrt mit dem Bus, das gute Essen und die Übernachtung im Grundlhof am Donnerstag sowie auf der Hütte an den beiden Folgetagen. Außerdem bietet der Ort Brambach im Tal einiges an Wanderwegen und ein mit viel Liebe und Engagement eingerichtetes Heimatmuseum, welches sich unsere Gruppe am Donnerstag vor dem Aufstieg angeschaut hatte. Und noch ein Tipp: Der Grundlhof bietet außer einer gemütlichen Bierkneipe auch eine kleine Sauna, im Hotelpreis inklusive!
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