Nuraghen, Fels und Aphroditis - 15 Tage auf Sardinien

Zugegeben, die mit 24.000 Quadratkilometern Ausdehnung zweitgrößte Insel im Mittelmeer ist nicht das Ziel, das einem Bergfreund bei seiner innereuropäischen Reiseplanung zuallererst ein-fällt. Und auch ich hatte bei meinem recht schnellen, weil arbeitsbedingten, Entschluss, den Jahresurlaub diesmal im zeitigen Frühjahr zu nehmen und ein Teilstück des Sentiero Italia zu testen, eigentlich an Sizilien gedacht. Doch damit kam ich zu spät, die Sizilien-Gruppe des DAV-Reiseanbieters Summit Club war schon auf Höchststand. Kam für diese Jahreszeit noch Kalabrien (Nationalpark Aspromonte) in Frage. Doch auch hier Fehlanzeige: Die Stiefel-spitzentour auf dem italienischen Fernwander-weg war wegen mangelnden Interesses abgesagt worden. Also "kalte Berge" statt Ätna, Menhire statt antiker Tempel.
Der Beginn meiner Reise am 24. März stand im Zeichen einer Flucht vor der Kälte, denn in München herrschte Schneegestöber. Also nichts wie 'rein in die S-Bahn und 'naus auf den Flughafen. Die an sich teure S-Bahn-Fahrt verbilligte sich für mich dadurch, dass mein verspäteter Aufstand vom guten Hotelfrühstück das Lösen eines Fahrscheins nicht mehr zuließ. So sparte ich infolge schlampiger Zeitplanung 8 Euro Fahr- und infolge der Nichtbeachtung Stalinscher Prinzipien ("Vertrauen ist gut, Kon-trolle ist besser") durch die Münchner S-Bahn-verwaltung 30 Euro Strafgeld. Aber alles hat zwei Seiten, wie sich bei der Handgepäckkontrolle am Flughafen zeigte. Ebenfalls aus erstem o. g. Grund büßte ich dort mein altes, minderwertiges Mulitifunktions-taschemesser ein (Schätzwert: 8 Euro), was wiederum Folgen haben sollte.
Gegen 10.30 Uhr dann Aufstieg ins Graue, über den Alpen Durchblicke auf verschneite Berge, schneefreie Täler und Seen. Vor der Zwischenlandung in Genua bekam die Maschine der Air Dolomiti leichte Schüttel-anfälle, die ich als Flugunkundiger für normal hielt. Als Karin, unsere Tourenführerin, nach Verlassen des Flugzeugs fragte, ob sich alle von dem "Vorfall" erholt hätten, wurde mir klar, dass auch Unwissenheit zur inneren Ruhe beitragen kann. Nach einer halben Stunde Wartezeit im Genueser Flughafengebäude durften wir wieder einsteigen, und diesmal startete die Maschine in einen heiteren Himmel, unten das Meer, Elba, Korsika und dann, nach insgesamt drei Stunden Flugzeit, Sardinien. Am Nachmittag landeten wir - diesmal ohne Schüttelfrost - auf dem Flughafen der Insel-hauptstadt Cagliari.
Für die bevorstehenden 14 Tagestouren stand uns ein kleinerer Bus zur Verfügung. Karin machte mit Alfonso, dem Fahrer, bekannt und erzählte, es sei nicht leicht gewesen, einen sardischen Chauffeur zu finden, dessen Fahrstil für deutsche Touristen zuträglich wäre.
Alfonso, etwa Mitte Dreißig, machte nicht nur einen verträglichen Eindruck, sondern fuhr uns auch in durchaus erträglicher Weise quer über die Insel zu unserem ersten Quartier an der Costa Corallina im Nordosten. Das Wetter war überwiegend heiter, vor allem war es gut zehn Grad wärmer als in München. So konnten wir schon auf der Fahrt Farben und Formen der Landschaft auf uns wirken lassen: vielfarbiges Gestein, das Silbergrün von Olivenhainen, Stein- und Korkeichenwäldern, das Gelb des blühenden Stechginsters und das Blau der Rosmarinbüsche sowie die kopfhohen, cremefarbenen Blütenversammlungen der Aphroditis.

der markante Bärenfelsen auf dem Kap bei Palau

Die ausgedehnten Grasflächen und -hänge sind ab und zu von Schafen, seltener von einigen Ziegen, Rindern oder Pferden bevölkert. Hin und wieder tauchte im Blickfeld das Wahr-zeichen sardischer Kulturgeschichte auf: der Nuraghe. Auch ein Produkt jüngerer Zivi-lisationsbestrebungen erschien des Öfteren am Straßenrand: die Gebäude der casa cantoniera, der Straßenmeistereien aus der Mussolini-Zeit - heute zumeist verlassen und herunter-gekommen.
Unser Quartier für die ersten drei Nächte, Hotel Ollastu, lag in Küstennähe mit Blick auf die Felseninsel Isla di Tavolata und war ein neu errichtetes Gebäudehalbrund, bestehend aus einem Dutzend geschmackvoller, solider Ferien-häuschen; in der Mitte des Geländes ein Swimmingpool, freilich zur Zeit noch trocken. Einziger Nachteil dieser Behausung: Die Schränke rochen so stark nach Mottengift oder etwas Ähnlichem, dass man die Kleidung besser im Zimmer verteilte.
Beim Frühstück gab Karin das erste Ziel des zweiten Tages bekannt: Olbia, die nahe gelegene Gebietshauptstadt, zum Proviant-fassen für die Tagesverpflegung aus dem Rucksack. Letztere sollte in den kommenden Tagen nebst Obst und aqua minerale naturale hauptsächlich aus pane (Weißbrot) und pecorino sardo semistaggionato (halbreifer sardischer Schafskäse) bestehen. Käse kauft der Kenner auch auf Sardinien am Stück. Um solch ein Käsestück von seiner Salzlaken- und Schimmelhaut zu befreien, braucht der Mensch ein Messer. Meines aber war von der Münchner Flughafenbehörde entsorgt worden. Not macht bekanntlich erfinderisch und erinnert den Men-schen an die Brauchbarkeit natürlicher, körper-eigener Werkzeuge. In diesem Fall waren es meine Daumennägel, die ich zweckmäßiger-weise seit Wochen nicht beschnitten hatte und mit deren Hilfe sowie reichlich Geduld sich die gefährlich aussehende Käsehaut messerlos entfernen ließ.
Zweites Ziel des zweiten Tages war der Monte Limbara (1.359m), die höchste Erhebung im Granitland Gallura, der nördlichsten Gegend der Insel. Hier findet auch der Felskletterer seine Ziele in verschiedenen Schwierig-keitsgraden. Unsere vierstündige Tour hatte allerdings mit Klettern und bergsteigerischen Ansprüchen nichts gemein. Nachdem wir bei Calangianus den Bus verlassen und den Tagesrucksack aufgepackt hatten, ging die Querung des Limbara-Massivs hauptsächlich auf bequemen Hirten- und Köhlerpfaden vor sich. Allerdings sind diese Pfade nur selten als Wanderwege markiert und werden häufig von der inseltypischen Macchia (Busch- und Niederwaldsteppe) überwuchert. Wasserdichte Kleidung ist daher zu empfehlen. Wir brauchten sie an diesem Tag nicht, Gras und Buschwerk blieben bei wechselnder Bewölkung und etwa 10 °C trocken.
Am 26. März war Buchtenkraxeln im Granit-revier angesagt. Alfonso fuhr uns zum Capo Testa, dem nordwestlichsten Punkt der Gallura. Hier war strapazierfähiges Schuhwerk gefragt, denn der Küstenfels ist grobkörnig, oft scharfkantig und somit ein rechter Sohlen-schleifer. Ein Sonnentag sorgte für intensive und kontrastreiche Optik: unten dunkelblaues, leicht bewegtes Meer, oben lichtblauer Himmel, dazwischen Felsen in wechselnden Farben und teilweise bizarren Formen. Der bekannteste darunter ist der Bärenfelsen auf dem Capo d' Orso nahe Palau. Von hier aus blickt man hinüber auf die buchtenreiche Isola Maddalena und weiter über die Bucht von Bonifacio auf die südliche Steilküste Korsikas. Südöstlich von Palau beginnt die Costa Smeralda (Smaragdküste), eine der luxuriösesten Bade-meilen Europas. Sie bildet den Brückenkopf für eine sich allmählich entwickelnde touristische Infrastruktur auf Sardinien. Die Initiative für die touristische Erschließung dieses Küsten-streifens ging von dem libanesischen Millionär Aga Khan aus. Die vielen Hotelbauten und Ferienhäuser zeigen eine eigenwillige und - im Unterschied zu den Urlaubersilos auf Mallorca und anderswo - der Landschaft angepasste Architektur, deren rundliche Formen auffallen. Auch aus unserer dreizehnköpfigen Gruppe probierten an diesem Tag drei das kalte Meerwasser. Die Initiative dazu war allerdings nicht von einem Millionär sondern von Touren-leiterin Karin ausgegangen, die jedem, der mindestens drei Züge schwimmt, einen sardischen Myrtenlikör versprochen hatte. Da ich kein Likörtrinker bin, ...

auf der höchsten Stelle des Höhenzuges des
Monte Albo

Am Folgetag verließen wir das Granitgebiet ("Feldspat, Quarz und Glimmer, das vergess' ich nimmer") und wechselten ins Kalkrevier des Monte Albo, einem Höhenzug zwischen Nuoro und Siniscola. Alfonso brachte uns auf einer erst im Vorjahr ausgebauten Straße auf 500m Höhe. Von da aus waren es noch etwa 600 Höhenmeter bis zum Aussichtspunkt Punta Catirina. Während uns beim Aufstieg leichter Graupel die Sicht verringerte, heiterte es gegen Mittag auf, und der Gipfel bot ein Panorama des nördlichen Inselteils. Wieder machte uns Karin auf botanische Besonderheiten der Gegend aufmerksam, diesmal auf eine uralte Eibe, die - Vertreterin nordischer Flora - auf Sardinien sehr selten vorkommt. Eine andere botanische Merkwürdigkeit der Insel ist der Erdbeerbaum (Die Früchte sind genießbar!), der ansonsten nur in den Bergregionen Ostafrikas heimisch ist. Weiterhin typisch für Sardinien sind neben den schon erwähnten Stein- und Korkeichen, dem Ginster, dem Rosmarin und der allgegenwärtigen Aphroditis der Wacholder, die Zeder und die Pinie sowie Baumheide (Erica arboreum) und der Feigenkaktus. Letzterer wird auch als Grundstücksbegrenzung verwendet.
Am späten Nachmittag fuhren wir zu unserer nächsten Unterkunft in der Nähe von Fonni. Unterwegs halten wir an einem so genannten Gigantengrab, einem Megalithen aus der Frühzeit der Insel.
Auch am fünften Tag war ein Karstmassiv Ziel unseres Ausflugs, diesmal der küstennahe Supramonte im Osten mit der Punta Corassi (1.463m). Karin hatte an diesem Tag Verstärkung in Angelino gefunden, einem Einheimischen aus dem Bergdorf Oliena. Angelino, im Krankenhaus von Nuoro angestellt, beschäftigt sich nebenbei etwas mit Landwirtschaft, ist Kenner des Supramonte-Gebietes und Pionier der hiesigen Nationalpark-Idee. Auf dem Abstieg begegnete uns eine Herde halbwilder kleiner Schweine. Sie gehörten, nach Angelinos Auskunft, einem nahe wohnenden Pastor, doch suchten sie ihren Stall nur des Nachts auf und wühlten tagsüber unbeaufsichtigt in der Umgebung nach Eicheln. Da sie sich eine Zeit lang auch für uns zu interessieren schienen, hatte ich Obacht auf meinen am Wegrand liegenden Rucksack. Vor rund zwanzig Jahren war bei einer ähnlichen Schweinerei im rumänischen Fogarasch-Gebirge eine gute große Hartwurst zwar nicht vor die Hunde gekommen, aber mit den Säuen gegangen ...
Fonni, im östlichen Zentrum des Landes gelegen, ist der einzige Wintersportort Sardiniens. Er verdankt diese Tatsache der unmittelbaren Nähe des höchsten und umfangreichsten Gebirges der Insel, der Monti del Gennargentu. Die Überschreitung des Gennargentu-Stockes war für den sechsten Tag vorgesehen. Eine durch ständiges Schlagen der Holzläden vor den Fenstern, die sich in geöffnetem Zustand nirgendwo befestigen ließen, unruhige Nacht war kein gutes Omen. Tatsächlich war es am anderen Morgen windig, wolkig und kalt. Trotzdem brachen wir mit dem Bus und einem neuen Bergführer namens Hannes bis zur Talstation eines Liftes in etwa 1.500m Höhe auf. Von dort versuchten wir bei heftigem Graupelschauer und starkem Wind den Aufstieg zum Gebirgskamm und zum höchsten Punkt Sardiniens, der Punta la Marmora (1.834m). Nach kurzer Zeit hatten wir wohl die Frostgrenze erreicht, denn die Eiskristalle setzten sich an den Nähten von Kleidung und Rucksack fest. Da der Wind im offenen Gelände immer stärker wurde und auf der Höhe auch keinerlei Aussicht auf Aussicht bestand, beschlossen wir bei etwa 1.700m den Rückzug. (Noch am Abend zuvor hatte Karin vor ihrem Abschied mit dem Leiter der Sizilien-Gruppe telefoniert und uns mitgeteilt, dass wir das bessere Los gezogen hätten: Auf der südöstlich gelegenen Nachbarinsel hätten schon zwei Gipfeltouren, darunter die auf den Ätna, wegen Schneefalls abgebrochen werden müssen.) Da auch die anderen Tausender des Gennargentu und der umliegenden Gebirge in Wolken oder Nebel lagen, schlug Hannes als Alternative eine Felsküstenwanderung im Osten am Golf von Orosei vor. Wir fuhren mit dem Bus bis Cala Gonone, wo sich dem Auge über gischtigem Meer eine bunte Steinwelt bot. Mehrfarbiger Vulkanfels wechselte mit Granit, dazwischen sandige Fleckchen. An einer gesicherten Wand Kletternde am Seil. Für die rauchende Minderheit in unserer Gruppe (2 Zigaretten-, 1 Pfeifenraucher) war das Ereignis dieses Nachmittags jedoch ein zivilisatorisches: Rolf aus Leipzig hatte, auf der Suche nach einem Trafik-Laden (tabacchi), auf der bis zur Euro-Einführung automatenfreien Insel den vielleicht ersten Zigarettenautomaten in Betrieb entdeckt. - Auch ein Beitrag zum Aufbau der touristischen Infrastruktur?!

Faszinierendes Beieinander von Blau, Grün und Weiß, von Meer, Macchia und Kalkfels: Wegstück zwischen der Pedra Longa und der Punta Giradili

Wieder war Hotelwechsel angesagt. Am 30. März fuhr uns Alfonso an die Ostküste in den Badeort Santa Maria Navarrese. Zuvor aber brachte uns der Bus Richtung Südosten zur Tropfsteinhöhle Su Marmuri bei Ulassai und zu dem Aussichtsberg Monte Tisiddu bei Jerzu. Von oben erlebten wir die Aussicht auf die steilen Hänge des Talgrabens zwischen Gairo und Jerzu, anzuschauen als grün-rot-brauner Patchwork-Flickenteppich mit gelben Farb-sprengeln von blühenden Wolfsmilchbüschen und Ginsterhecken.
Santa Maria Navarrese liegt in der Küsten- und Kalkfelslandschaft Ogliastra. Uns war der kleine Badeort Ausgangspunkt für zwei sechsstündige Tagestouren im küstennahen Fels. Die erste führte von der Pedra Longa, einer vom Meer umspülten Felsnadel, durch gelbblühende Macchia und über scharfkantiges, ausgerieftes Karstgestein auf die Punta Giradili, 757m fast senkrecht über dem Tyrrhenischen Meer. Die hiesige Macchia entpuppte sich als extensiv genutzte Weidelandschaft für kleinwüchsige Rinder, verschiedenfarbige Ziegen mit Steinbock-Hörnern und etliche Esel. Glockengeläut wie in den Alpen, Ställe an unvermuteten Stellen plötzlich auftauchend. Die Wanderung endete in der Golgo-Hochebene im Hinterland. Diese Ebene war auch Ausgangs- und Endpunkt der zweiten Tour, bei der bergauf wie bergab jeweils 900 Höhenmeter zu überwinden waren. Sie führte vorbei an der Nuraghen-Ruine Co`e Serra und typischen Schäferhütten in die Karstschlucht Bacu Maore, hinab ans Meer und wieder hinauf auf die Höhe. An diesen beiden sonnigwarmen Tagen auf trockenen Karstwegen konnten wir sehr gut damit leben, im zeitigen Frühjahr und nicht zu fortgeschrittener Jahreszeit hier zu sein. Die beiden trockenen sardinischen Weinspezialitäten, der weiße, etwas an griechischen Retsina erinnernde, Vermentino und der sattrote Canannau schmeckten hier zum .......................................................... opulenten Abendessen zwischen 20 und 22 Uhr besonders.

Um die wehrhaften Türme lagerten sich die Dörfer der frühzeitlichen Bewohner

 


Der 10. Tag war im Reiseprogramm als "Kulturtag" angekündigt worden und begann mit einer Busfahrt in westlicher Richtung zur Provinzhauptstadt Nuoro im Zentrum der Insel. Die Bergstadt mit 37.000 Einwohnern, die früher als Zentrum der sagenumwobenen sardischen Banditen galt, empfing uns mit kaltem Wind und dunklem Himmel - das richtige Wetter, um auch als Bergfreund besser "innerhalb der Mauern" zu bleiben. In Nuoro besuchten wir das Volkskundemuseum und fanden auch zum einstigen Wohnhaus der ersten weiblichen Literatur-Nobelpreisträgerin Grazia Deledda (1871-1936). Nachmittags ging es weiter in südwestlicher Richtung mit neueren Kulturstopps an der Nuraghe Losa und dem Wassertempel S. Cristina zwischen Abbasanta und Bonarcado am Fuße der Eisenberge (Monte Ferru). Nuraghen sind kegelstumpfförmige Siedlungs- und Wehrtürme mit meist mehr-facher Ummauerung und stammen, wie die schon erwähnten "Gigantengräber" oder die Quellenheiligtümer, aus der Bronzezeit.
Die nächsten beiden Übernachtungen bot ein Hotel in der altertümlichen Stadt Bonarcado. Von hier aus wurden am 11. Tag und bei bedenklichem Wetter die Eisenberge angesteuert. Wieder hatte das Gestein gewechselt: Wir befanden uns nun im Basaltgebiet. Die geplante Besteigung des Monte Entu (1.024m) fiel dann zwar nicht ins Wasser, aber wegen Wassers von oben sowie Wind und Nebel erheblich kürzer als vorgesehen aus. Günstiger zeigte sich das Klima am Tag darauf: So wurde der dreistündige Rundweg vom malerischen Städtchen Bosa an der Westküste über die Geierfelsen (Rocca Pischinale) und zurück zur reinen Genusstour.
Der 13. Tag brachte einen letzten Stand- und Lagerortwechsel. Alfonso steuerte sein Gefährt über die Fernstraße 131 in Küstennähe Richtung Süden und dann ostwärts ins Landesinnere. Bei Barumini stand die Besichtigung der größten Nuraghensiedlung Su Nuraxi auf dem Programm. Dieses Bauwerk findet sich auch auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Nachmittags dann wieder eine Genusswanderung. Diesmal auf der Basalt-hochebene Giara di Gesturi, umgeben von Korkeichen und zahllosen Wasserlachen, die sich durch das undurchlässige Gestein bilden - ein Anti-Karst mit farbenfroher Blumenwelt, Ziegenherden und dunklen Wildpferden, die uns aus einiger Entfernung kritisch beäugten. Schließlich Weiterfahrt ins Iglesiente, das südlichste Gebirge der Insel mit Eintausendern. Gute Küche und kalte Zimmer in einer Agriturismo-Einrichtung - zu deutsch: Urlaub auf dem Bauernhof.
Der letzte Ausflugstag wurde - wie meist bei letzten Tagen - warm und sonnig und führte in die Felsenwelt des Monte Arcuento (784m) und hinab an die Costa Verde mit ihrer großartigen Düne. Abends Einkehr in einer Schäferei, die Speisen waren entsprechend deftig.
Der Rückreisetag brachte mittels Air Dolomiti zwar noch einen Höhenflug, aber keine Bergerlebnisse mehr. Der dreisprachige (sardisch, italienisch, spanisch) Alfonso steuerte seinen Bus nunmehr im breiten Campidano-Tal der Hauptstadt Cagliari entgegen. Cagliari, im 9. Jahrhundert v. Chr. von Karthagern gegründet, zählt heute 220.000 Einwohner und bot einen letzten Aufstieg vor dem Abflug: auf die Stadtveste, schätzungsweise 50 Höhenmeter, notfalls auch mit dem Aufzug zu bewältigen.

Dr. Andreas Seifert (30. 04. 2002)