Infos:
Das Matterhorn (walliserdeutsch ds'Hore, italienisch Monte Cervino oder Cervino, französisch Mont Cervin oder Le Cervin) ist mit 4478 Metern Höhe einer der höchsten Berge der Alpen.
Es steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia.
Die Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizer-ischem, die Südwand auf italienischem Staats-gebiet. Wegen seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte ist es einer der bekanntesten Berge der Welt.


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Was hat mich dazu gebracht, mir das Matterhorn als Ziel vorzunehmen? Wahrscheinlich kulminiert in diesem schroffen, abweisenden, bedrohlichen Berg all das, was mich immer wieder in die Berge und auf die Gipfel zieht: Das Mysterium Berg – geschaffen um bezwungen zu werden, Herausforderung die eigene Trägheit zu überwinden und die Füße auf selten betretene Pfade zu richten. Kurzum, das Matterhorn kam nach den Besteigungen von Nadelhorn und Dom vor 6 Jahren in den Bereich des Möglichen. Da ich nicht jünger werde, wollte ich mit einem Versuch nicht mehr lange warten. Das 50. Lebensjahr war dafür ein guter Anlass. Die äußeren Bedingungen, vor allem die Witterung, waren in diesen heißen Wochen ideal, was allerdings den Gletschern gar nicht gut tat und ein erhöhtes Steinschlagrisiko mit sich brachte. Nach den entsprechenden Akklimatisationstouren hoffte ich entsprechend fit zu sein. Die Bergführervermittlung in Zermatt war zögerlich. Sie erwarteten eine Vorbereitungstour mit einem ihrer Bergführer. Der Hinweis auf meine bisherigen Touren überzeugte dann doch. So zog ich also gegen 14.00 Uhr von der Seilbahnstation Scharzsee los zur Hörnlihütte. Der Anstieg (ca. 500 Höhenmeter) dauerte nur knapp 2 Stunden. In der Hitze des Nachmittags war es aber doch recht anstrengend. Nach der Ankunft bei der Hütte unternahm ich noch einen kurzen Ausflug zur Besichtigung des Einstiegs. 18.30 Uhr war das Treffen mit den Bergführern. Wir waren 5 Männer aus unterschiedlichen Ländern, die am nächsten Tag mit Hilfe von Zermatter Bergführern das Matterhorn besteigen wollten. Nachdem wir uns bekannt gemacht hatten und das Material inspiziert hatten, begaben wir uns ins Lager. Draußen war es kühl geworden und es gab ein kurzes Gewitter mit Regen. Außer uns übernachteten noch mindestens 30 Bergsteiger in der Hütte, die ebenfalls am nächsten Tag das Matterhorn besteigen wollten. Um 10.00 Uhr ging das Licht aus. Die Erwartung des Abenteuers am kommenden Tag ließ mich schlecht schlafen. Das Risiko des Unternehmens war mir sehr wohl bewusst. Würde ich es schaffen? War ich ausreichend vorbereitet? Doch den Anderen erging es ebenso. Schon nach 3.00 Uhr wurde es unruhig in der Hütte. Um 4.00 Uhr ging das Licht an. 10 min später saßen wir mit angelegten Gurten beim Frühstück. 4.20 Uhr band mich mein Bergführer ans Seil und es ging hinaus in die Nacht. Alle Wolken hatten sich verflüchtigt. Es war sternenklare Nacht. Nur beim Schein der Stirnlampen stiegen wir ein. Die erste Stunde habe ich nichts gesehen, als die Schuhe des Bergführers, der mich am kurzen Seil führte. Der Anstieg ging durch ein Labyrinth von Felsen, Platten und Bändern kontinuierlich ohne Halt nach oben. In Kürze lief mir der Schweiß unter dem Helm bis in die Augen, so daß die Brille beschlug. Ich habe dann den Aufstieg ohne Brille fortgesetzt, immer auf die Schritte des Bergführers konzentriert. Nach ca. einer Stunde wurde es am Horizont allmählich hell. Plötzlich hörten wir in der Ostwand einen mächtigen Steinschlag. Der Bergführer drückte mich blitzschnell in Deckung, hinter einen großen Stein. Eine vorausgehende Seilschaft hatte diesen Steinschlag ausgelöst und ein Bergsteiger war dabei verletzt worden. Er wollte aber keine Hilfe. Die Steinschlaggefahr, die am Matterhorn allgegenwärtig ist, ist auch der Grund, weshalb die Bergführer großen Wert darauf legen, mit ihren Gästen möglichst die Ersten am Berg zu sein. Besonders dieser Berg besteht aus außerordentlich brüchigem Gestein, das auch ohne äußere Einwirkung ein permanentes Risiko darstellt. Die Normalroute ist so gewählt, dass das Risiko, sowohl einen Steinschlag auszulösen, als auch getroffen zu werden, begrenzt wird. Die zahlreichen Aufschwünge, die zu klettern sind, sind in der Regel in festerem Fels. Wer diese aus Erfahrung gewählte und immer wieder variierte Route nicht kennt bzw. findet, hat deutlich schlechtere Karten und braucht viel mehr an Zeit. Kein Wunder, dass sich andere Bergsteiger an uns dranzuhängen versuchten. Aber bei den zu kletternden Passagen blieben sie schnell zurück, weil sie im Vorstieg und in der Sicherung nicht so versiert waren, wie die Bergführer. Mein Bergführer, Konstanz Imboden aus Tesch, hatte übrigens mit mir seine 90. Besteigung des Matterhorns. Ab und zu ging die Route auch über den Grat. Zu beiden Seiten ging es viele 100 Meter hinab und man sah von oben auf die Gletscher am unteren Ende der Flanken. Die erste Rast machten wir bei Sonnenaufgang bei der Solvayhütte (4.003 m), wo auch die ersten Fotos möglich wurden. Inzwischen war es auch einsam geworden. Ein Bergführer war mit seinem japanischen Gast weit voraus. Sie kamen uns schon vor dem Gipfelanstieg entgegen. Die anderen waren ein ganzes Stück hinter uns. Das Panorama im Morgengrauen war großartig. Obwohl die Sonne allmählich höher stieg, wurde es doch bei Erreichen der Schulter erheblich kühler. Es kam auch etwas Wind auf. Wir näherten uns dem Gipfelanstieg und machten einen kurzen Halt zum Anlegen der Steigeisen. Es hatte im oberen Bereich beim Gewitter vom Vortag ein wenig geschneit. Es sind aber auch ständig vereiste Bereiche zu überwinden. Im Bereich des Gipfelanstiegs gibt es gefährlich glatte Platten, die nicht viel Halt bieten. Zur Entschärfung sind in diesem Bereich Fixseile gespannt. Unter Zuhilfenahme dieser Seile und mit viel Armkraft gewinnt man an Höhe. Selbstverständlich nutzte der Bergführer die vorhandenen Haken zur Zwischensicherung. Der Gipfel kam dann beinahe überraschend schnell. Plötzlich wurde es etwas flacher und es ging nicht mehr höher. Ein eiskalter Wind blies uns ins Gesicht. Der Bergführer beglückwünschte mich zur Besteigung. Auf dem stellenweise sehr schmalen und zum Teil vereisten Gipfelgrat kam uns eine Seilschaft von der Italienischen Seite entgegen. Wir halfen uns gegenseitig beim Fotografieren. Jetzt hatten wir einen phantastischen Rundblick und sahen auch nach Italien hinunter. Nach maximal 10 min - es war gegen 8.15 Uhr – machten wir uns an den Abstieg, denn es wurde empfindlich kalt. Jetzt kamen uns die anderen entgegen, gefolgt von anderen Seilschaften. Der Abstieg erforderte eine große Konzentration, denn eine Reihe heikler Stellen waren zu überwinden. Der Bergführer hatte mich fest am kurzen Seil, was allerdings voraussetzte, dass er selber nicht ausglitt. An den heikelsten Kletterpassagen hat er mich abgeseilt. Jetzt erst nahm ich die Schwierigkeit mancher Passagen war und war doch hin und wieder genötigt, der Versuchung zu widerstehen, den Blick schweifen zu lassen, um des nächsten Trittes oder Griffes wegen. 3 Pausen haben wir beim Abstieg gemacht. Der Bergführer wurde von mal zu mal gesprächiger. Der Abstieg war sehr anstrengend und dauerte ebenso lang wie der Aufstieg. Jetzt nahm ich auch im unteren Drittel wahr, durch welches Gelände wir in der Dunkelheit aufgestiegen waren, all zu oft nahe am Abgrund. Vor allem im unteren Bereich kamen uns immer wieder Bergsteiger entgegen, deren Anblick einem eher Sorge machte. Zum Teil waren sie nicht angeseilt oder allein. Diesen Berg ohne Führer zu besteigen, ist jedenfalls ein ungleich größeres Risiko. So ist es fast ein Wunder, dass nicht noch mehr am Matterhorn passiert. Im unteren Bereich kamen wir auch an der Stelle vorbei, wo vor ca. 3 Wochen ein Felssturz gewesen war, der auch bei uns in den Zeitungen vermeldet worden war. Gegen 11.45 Uhr waren wir wieder an der Hütte, wo viele Tageswanderer das Treiben am Matterhorn beobachteten. Der Bergführer gratulierte mir und händigte mir ein Zertifikat über meine Besteigung aus. Nach einer Stunde machte ich mich auf den Weg, Richtung Zermatt.
Ich danke meinem Herrn für glückliche Heimkehr.
Superintendent Wolfram Hädicke, Meiningen
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